Review African Paper: Ô PARADIS: Los Olvidados

Demian Recio betreibt sein Einmannprojekt Ô Paradis nun schon seit rund fünfzehn Jahren und hat es dabei zu einer Meisterschaft im Zusammensetzen und Verwandeln von Tönen gebracht. Das Besondere an seiner Arbeit ist jedoch, dass er auf dem Weg des Samplens und Montierens stets wohlklingende Lieder zustande bringt, die viel erdiger und traditioneller anmuten, als man es bei dieser Herangehensweise erwartet. Der Eindruck von etwas Ursprünglichem, eine Art magischer Realismus, eignet seiner Musik, obwohl der am Reisbrett entstandene Mosaikcharakter stets offenliegt.Es wurde schon so vieler Musik etwas Alchemistisches angedichtet, und man möchte die abgegriffene Metapher kaum noch verwenden. Aber sie kommt einen bei Demian nicht grundlos in den Sinn.

Die Diskografie des Katalanen ist mittlerweile schon recht üppig, so dass man fast den Überblick verlieren kann über die zahlrechen Alben, Kollaborationen, Splits und kleineren Veröffentlichungen, die meist über rührige DIY-Labels erschienen sind und sich immer wieder auf unberechenbare Weise voneinander abheben – in der Fülle und Dichte des Klangs, in der mal eher elektronischen, mal eher naturbelassenen Ausrichtung. Dennoch gibt es eine starke Konstante, die sich durch Sound, Gesang, Themen und Stimmung der Musik zieht und sich jedem offenbart, der diesem Projekt für etwas länger die Treue hält. Zu den langfristigen Veränderungen zählt allenfalls der Abschied von der dominanten Orgel des Frühwerks.

Das vor einigen Monaten als LP erschienene Album „Los Olvidados“ entspricht eher der sensibel-erdigen Seite von Demians Kosmos und enthält dennoch alles, was eine Ô Paradis-Platte ausmacht: Es gibt lupenreine Popstücke, lebhafte oder verbummelte Canciones mit entspannter Akustikgitarre, bei denen Demians sanfter Bariton gelegentlich wie durch einen Telefonhörer erklingt, tremolierende Stücke über die Zeit und beschwingte über barmherzige Samariter – Songs, die problemlos im Radio laufen könnten, wären einige ihrer Sounds und Rhythmen nicht so kunstvoll in den Vordergrund gemischt, dass sie ihre Konstruiertheit ein weiteres mal unterstreichen und eine allzu leichte Konsumierbarkeit unterbinden. Illusion ist hier fehl am Platz, dafür jedoch vermitteln die Stücke eine erdige Geborgenheit, die von echterer Natur ist. „Profundo“ ist eines der markantesten Worte in einem der Songs, und ich meine mich zu erinnern, dass es schon öfter in seinen Texten zu hören war.

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